Eine Denksportaufgabe für zwei Millisekunden

Manchmal kommt es vor, dass Unternehmensteile vom Mutterkonzern abgestoßen werden, um auf eigenen Beinen zu stehen. Dabei ist auch die gesamte IT-Infrastruktur abzukoppeln, die Rechenzentren sind neu zu konzipieren und untereinander zu verbinden. Diese Geschichte handelt von einer solchen Herkulesaufgabe, die zwei Provider-Partner innerhalb kürzester Zeit für einen Konzern umgesetzt haben: Es galt, zwei komplett unabhängige Datenleitungen (Dark Fiber) zwischen zwei Rechenzentren zu etablieren. Dazwischen lag nicht nur eine Ländergrenze, sondern die Rechenzentren waren über 150 Kilometer voneinander entfernt.

Die Akteure

Die Beteiligten waren die Pan Dacom Direkt GmbH und die British Telecom: Heiko Hittel und Johannes Mauch. „Das gemeinsame Ergebnis kann sich sehen lassen“, sagt Johannes Mauch, Client CTO bei British Telecom. „Ein One-Stop-Shopping-Anbieter wie die Pan Dacom Direkt war ein Glücksfall für das Projekt.“

Wir fassen zusammen

„Das freut uns zu hören. Ja, es war relativ schnell klar, dass es das, was wir da vorhatten, vorher noch nie gegeben hat“, fügt Heiko Hittel hinzu. Denn eine redundante Wegeführung war bei dem Mix der Provider alles andere als trivial. „Man musste aufpassen, dass die verschiedenen Provider am Schluss nicht im selben Graben sitzen“, erklärt Johannes Mauch. 

So besteht die Hauptaufgabe bei solchen Riesenprojekten in der Koordination und Projektleitung aller Beteiligten. Das liegt vor allem daran, dass Dark Fiber Leitungen selten am Stück passend verlegt sind, sondern erst von vielen lokalen Carriern anzumieten und zusammenzustecken sind.

Werden wir konkret

Auch die technischen Anforderungen waren nicht ohne, die eine Standortvernetzung mit sich brachte: Es ging um zwei redundante Dark Fiber Verbindungen, wobei die erste direkt und die zweite mit einem Zwischenverstärker (Repeater) zu realisieren war. Die erste Dark Fiber Leitung verlief entlang der Autobahn, meist auf Stelzen in der Höhe, während die zweite Leitung entlang der Bahngleise im Boden gezogen wurde. „Was in drei Fällen dazu führte, dass sich die Kabel in unterschiedlichen Höhen überkreuzten. Das war aber durchaus akzeptabel für den Kunden. Die eigentliche Herausforderung war ein in der Nähe verlaufender Fluss. Der Pegel war nach der Schneeschmelze so stark angestiegen, dass der Verteilerschrank nicht mehr zugänglich geworden war. Die Datenleitungen blieben aber Gott sei Dank immer trocken“, erinnert sich Johannes Mauch.

Das Pflichtenheft war eindeutig: Übertragung von jeweils 4x 100 Gbit/s Ethernet verschlüsselt inklusive Glasfaser Monitoring, 24x7 Hotline Service / 24x7 Remoteüberwachung der verbauten Systemtechnik sowie eine 24x7 Technikerbereitschaft, was so viel heißt wie: Im Fall einer Störung muss ein Techniker innerhalb von vier Stunden vor Ort sein.

„Ich nenne das zusammenbrokern, was die Pan Dacom Direkt ausgezeichnet gelöst hat,“ lobt Johannes Mauch das Vorgehen. Dazu muss man wissen, dass dem Kunden kein nennenswerter Carrier bekannt war, der in der Lage gewesen wäre, dieses Pflichtenheft zu erfüllen. So trat das Unternehmen an die British Telecom heran und diese wiederum fand in der Pan Dacom Direkt den idealen Partner. „Das war eine Meisterleistung.“ Von der Beauftragung bis zur Bereitstellung der Dienste waren jeweils sieben Monate vergangen.

Latenz von 2 Millisekunden

„Die Denksportaufgabe bestand darin, dass man 2 Dark Fiber Leitungen brauchte mit bis zu 100 Gbit/s bei redundanter Wegeführung. Dies in einem einerseits strukturstarken, andererseits ländlichen Raum“, erinnert sich Heiko Hittel. Die beiden Standorte, deren Data Center zu verbinden waren, liegen über 150 Kilometer auseinander.

„Pan Dacom hat es geschafft, diese Strecken jeweils mit einer Latenz von 2 Millisekunden über die gesamte Strecke zu realisieren“, so Johannes Mauch. Die erste Leitung sollte auf direktem Wege die Standorte verbinden. Die zweite aber sollte so wenige Interferenzpunkte wie möglich auf der Strecke haben mit räumlicher Distanz zur ersten Strecke, um die Redundanz zu garantieren. „Die Planung von nur einer solchen Strecke hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Und das alles war sehr herausfordernd“, erinnert sich Heiko Hittel. 

Die British Telecom war in dem Projekt als Generalunternehmen tätig. Ihre Aufgabe war es, zu schauen, dass die Termine eingehalten werden. 

Die Briten in Form ihres deutschen Ansprechpartners Johannes Mauch haben das Projekt gecoacht, zwischen dem Kunden und Pan Dacom Direkt vermittelt und die gesamte Kommunikation zwischen allen nationalen und internationalen Projektpartnern sichergestellt. „Das war Teamwork wie aus dem Lehrbuch.“

Seltene Einblicke in unseren Outdoor-Repeater

Eine wunderbare Sicht ins Herz des gesamten Systems, das die Pan Dacom zwischen den Standorten realisiert hat. Links sehr schön zu sehen die 19-Zoll Rackspaces, die für die Systemhardware wie zum Beispiel den eigentlichen Repeater vorgesehen sind. Unten die Batterien für die Notstromversorgung. In der Mitte sieht man die Verkabelung zur redundanten Spannungsversorgung inklusive Absicherung. Diese setzen wir mittels 48V DC um. Rechts sehen wir in der Türe die integrierte Klimaanlage sowie die Stromzähler.

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„Das gemeinsame Ergebnis kann sich sehen lassen, ein One-Stop-Shopping-Anbieter wie die Pan Dacom Direkt war ein Glücksfall für das Projekt.“
Johannes Mauch, Client CTO, British Telecom